Mein Haus kenne ich in- und auswendig. Was der Markt heute dafür zahlt, wusste ich vorher schlicht nicht.
Was an diesem Abend passiert ist
Ein Abend über den Verkauf ohne Makler – veranstaltet von einem Makler. Das muss man erst einmal erklären.
Wir haben an diesem Abend etwas gemacht, das man uns vorher ausgeredet hat: Wir haben Eigentümern erklärt, wie sie ihre Immobilie ohne uns verkaufen.
Am Anfang stand ein Zettel. Bevor der erste Satz gesprochen war, lag auf jedem Platz eine kurze anonyme Frage-Karte – sechs Aussagen, drei Kreuze pro Aussage, keine Namen. 40 Gäste haben sie ausgefüllt. Wir wollten wissen, wer da eigentlich vor uns sitzt, bevor wir anfangen zu reden.
Die Antwort war deutlicher, als uns lieb war. Genau eine Person von 40 ist an diesem Abend mit der Erwartung gekommen, dass ihr etwas verkauft wird. Eine. Bei einer Veranstaltung, die ein Immobilienmakler ausrichtet. Das ist ein Vertrauensvorschuss, den man nur einmal bekommt – und der einen zu etwas verpflichtet.
Der zweite Befund war der eigentliche Grund, warum der Saal voll war:
Dieselben Menschen, dieselbe Immobilie, 40 Prozentpunkte Abstand. Die Gäste wussten sehr genau, was sie besitzen. Sie wussten nur nicht, was der Markt dafür zahlt. Und die Hälfte des Saals kreuzte zusätzlich an, gar nicht zu wissen, worauf es beim Verkauf überhaupt ankommt.
Also haben wir genau darüber gesprochen. Über Preisfindung, die nicht aus einem Online-Rechner kommt. Über das Bieterverfahren und darüber, wann es die falsche Wahl ist. Über Unterlagen, die man besser vor der ersten Besichtigung zusammen hat als danach — den rechtlichen Teil hat ein Leipziger Notar übernommen. Über Marketing, das qualifizierte Käufer bringt statt Besichtigungstourismus. Über Finanzierung, weil ein Käufer ohne Finanzierungszusage kein Käufer ist. Und am Ende, deutlich länger als geplant, über die Fragen aus dem Saal.
Dazwischen wurde gegrillt, gegessen und geredet. Der offizielle Teil war irgendwann vorbei, die Gespräche waren es nicht.